Gospel und unser Stil

Was sind Gospel?

Gospel heißt ĂŒbersetzt soviel wie „Evangelium“, „frohe Botschaft“ und ist aus dem Spiritual, dem „Kirchenlied“ der Schwarzen in Amerika, entstanden.

Damit wĂ€ren aber auch schon die Klarheiten ĂŒber Gospel und Spiritual erschöpft. Denn schon die Frage, was denn nun der genaue Unterschied zwischen Gospel und Spiritual ist, fĂŒhrt zu – manchmal hitzigen – Diskussionen. Im allgemeinen werden 3 Unterschiede zwischen Gospel und Spiritual angefĂŒhrt:

  • Spiritual ist – im Gegensatz zu Gospel – oftmals mehrstimmig improvisiert („Gruppenschöpfungen“), wĂ€hrend der Gospel komponiert ist.
  • Texte und Bilder der Spirituals entstammen hĂ€ufig dem Alten Testament, wĂ€hrend die Texte der Gospel sich gewöhnlich auf Jesus Christus und die Botschaft des Neuen Testaments beziehen.
  • Im Gospel treten vermehrt Elemente des Jazz, Rock, Pop, etc. auf, wĂ€hrend der Spiritual meist a capella gesungen wird.

Diese Unterschiede kann man im Großen und Ganzen so akzeptieren, auch wenn es jedem (spitz)-findigen Gospel- und Spiritual-Begeisterten nicht schwer fallen dĂŒrfte, diverse Gegenbeispiele zu finden.

Aber nun wird’s wirklich schwer, denn heute haben wir’s nicht mehr nur mit Spiritual und Gospel zu tun, sondern da gibt es Stilrichtungen wie Black Gospel, Contemporary Black Gospel, Urban Gospel, Praise and Worship, Country Gospel, Afro Gospel, Latin- und Hip-Hop-EinflĂŒsse usw. usw.

Und zu welchem Stil gehören wir? Erste Antwort – ein Schulterzucken, zweite Antwort – wir versuchen uns an vielen Stilrichtungen und sind deshalb nicht eindeutig einer Richtung zuzuordnen.

Uns fasziniert am Gospel etwas ganz anderes, nĂ€mlich seine besondere Eigenschaft, die im Wort Gospel = frohe Botschaft zum Ausdruck kommt. Es ist nicht allein der Inhalt der Texte, es ist vor allem die EmotionalitĂ€t, mit der der Gospel diese frohe Botschaft verkĂŒndet. Wenn nun diese EmotionalitĂ€t im Vordergrund steht, ist es logischerweise nicht so wichtig, ob der Text nun im liturgisch oder theologisch wohl gesetzten Wort daherkommt – im Gegenteil: im Gospel begegnet uns das einfache Wort, die einfache und natĂŒrlich ReligiositĂ€t, und zwar mit einer solchen IntensitĂ€t, die sich nicht in Worte fassen lĂ€sst – aber in Musik. Denn das zeigt der Gospel: der Weg zu Gott fĂŒhrt zuerst ĂŒber das Herz und nicht so sehr ĂŒber den Kopf.

Darum verlassen wir uns bei unseren Konzerten und AuffĂŒhrungen auch ganz auf diese Ebene des Herzens und verzichten bewusst auf Übersetzungen oder theologische Begleit- und Deutungstexte. Nebenbei bemerkt: Muss man wirklich „Hallelujah!“, „God is great“, „I will praise him“, „Help me, Lord“, „Put your hand in the hand of the man“ etc. ĂŒbersetzen?

Unser Musikstil

Unsere Musik beschreiben zu wollen, ist natĂŒrlich der schlechtere Weg, besser ist es, sie zu hören, klar. Trotzdem wollen wir’s mal versuchen:

  • Unsere musikalischen Vorbilder sind v.a. nordeuropĂ€ische Gospelchöre (Oslo Gospel Choir, Reflex, Solid Gospel, Joybells u.a.)
  • FĂŒr uns heißt das, dass wir, wie unsere Vorbilder auch, eine möglichst große Stilvielfalt anstreben, das geht vom Shuffle bis zum Rap, von der Pop-Ballade bis zum Samba, vom Hip-Hop bis zum Rock, vom Big Band-artigen Swing bis zum Praise&Worship-Song.
  • Wir bemĂŒhen uns um sehr ausgefeilte und anspruchsvolle Arrangements, meist mit großem instrumentalen Aufwand.
  • Dazu benötigen wir eine Profi-Band und professionelles PA-Equipment, mit ein Grund, warum wir im Jahr maximal 5-6 Mal auftreten.
  • Diese maximal 5-6 Konzerte (neben kleineren Auftritten) pro Jahr sind uns sehr wichtig. Wir bemĂŒhen uns sehr, dass sie fĂŒr unsere Besucher zu einem herausragendem Ereignis werden. Hauptziel unserer Konzerte ist es, eine möglichst große Gemeinschaft mit unserem Publikum herzustellen.
    • Daher treten wir nicht in Kirchen auf, die dies aufgrund ihrer Architektur sehr schwer machen (wenn sie z.B. zu hallig oder zu lang sind….)
    • Deswegen genĂŒgt es uns nicht, das Publikum nur zum Mitklatschen zu animieren, sondern wir wollen mit immer neuen ĂŒberraschenden Aktionen unser Publikum miteinbeziehen (auch ein kleines GlĂ€schen Sekt oder Orangensaft, zu dem wir in der Pause einladen, gehört zu unseren Konzerten)
    • Daher sind unsere Konzerte immer live, d.h. wir spielen weder mit Halb- noch mit Voll-Playback, ja wir glauben sogar, dass man unsere Auftritte nur live erleben sollte, deshalb, weil wir es uns (bisher zumindest) nicht vorstellen können, dass man unsere Musik „konservieren“ könne, haben wir noch keine CD gemacht.

Aber, wie schon in der Einleitung gesagt, unsere Musik zu beschreiben, ist die schlechtere Wahl, sie zu hören, ist viel, viel besser ….